In meinem Feed in Social Media sind immer mehr Posts zu finden, die den Körper und die Beziehung des Menschen zur Natur thematisieren. Beiträge, die verdeutlichen, dass das körperliche Wohlbefinden entscheidend ist für neuronale Prozesse wie Kreativität und Lernen.
Darüber freue ich mich ehrlich, denn ich bin schon lange der Meinung, dass wir Arbeit mehr am Zusammenspiel zwischen Körper und Geist orientieren und organisieren müssen.
Das gilt umso, je mehr die Digitalisierung die analoge, mithin körperliche, Welt in den Hintergrund rücken lässt. Ich bin überzeugt davon, dass die Fähigkeit, sich selbst zu spüren und zu erkennen, künftig eine bedeutsame Rolle spielen wird, weit über den Aspekt der Gesundheit hinaus.
Leistung und Engagement als Erfolgsfaktor
In vielen Unternehmen und Branchen geht es aktuell darum, sich stabil und zukunftssicher aufzustellen. In solchen Phasen werden Anforderungen an die Beschäftigten formuliert, weil allen klar ist: es geht nur mit dem Engagement jedes einzelnen Mitarbeitenden.
Wer heute das Leistungsvermögen von Menschen diskutiert, muss auch die Arbeitsbedingungen in den Blick nehmen – und damit meine ich nicht nur die Dauer der Arbeitszeit.
Gescheiter miteinander arbeiten – Arbeit intelligenter organisieren

Für Unternehmen heißt es: Wer leistungsstarke, motivierte und kreative Köpfe dauerhaft beschäftigen will, tut gut daran, Hinweise von Mitarbeitenden auf ungünstige Rahmenbedingungen ernst zu nehmen.
So wie wir den Menschen zunehmend im Kontext von Lernen, Wissensarbeit und Innovation als Ganzes betrachten – also gleichermaßen als Körper und Geist – so gilt es auch im Unternehmen das klassische Silo-Denken bei personelle Themen zu überwinden.
Themen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sind strategischer Personalentwicklung und Arbeitsorganisation zu vernetzen. Das hilft nicht nur, produktiver zu arbeiten und Fehlzeiten zu reduzieren, sondern trägt auch insgesamt zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und -Bindung bei – Employer Branding as its best.
Resilient in der Transformation
Eine gute Beziehung zwischen Körper und Geist ist eine wichtige Voraussetzung für die individuelle Resilienz und Belastbarkeit. Körper- und achtsamkeitsorientierte Methoden sind ein gutes Training für die Selbstwahrnehmung. Wer darüber verfügt, hat Zugang zu den eigenen physischen und psychischen Ressourcen. In der Folge können Menschen fokussierter arbeiten und ihr kreatives Potenzial entfalten.
Nun stehen derartige Methoden zwischenzeitlich in dem Ruf der Selbstoptimierung oder esoterischer Nabelschau. Der betriebliche Nutzen wird oft ganz grundsätzlich in Frage gestellt.
Mir ist es daher sehr wichtig, einen Aspekt herauszustellen:
Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die ihre Selbstwahrnehmung schulen, um ihre Stärken und Fähigkeiten wissen. Sie haben ein gutes Gespür, ob sie am richtigen Platz und im richtigen Umfeld eingesetzt sind. Und: sie sind weniger funktional und manipulierbar. Wer eine gesunde Selbstwahrnehmung hat, spürt eben auch die eigenen Belastungsgrenzen, wird sensibler für Unstimmigkeiten und nimmt Stressfaktoren wahr.

Wem dies bewusst wird, der möchte unwillkürlich die Arbeitsbedingungen entsprechend anpassen. Entweder gelingt dies im Dialog mit dem beruflichen Umfeld, oder es folgt eine berufliche Veränderung.
love it, change it or leave it: eine Frage der Resilienz
Ich habe sehr oft erlebt, dass sich Menschen auf dem Weg der Bewusstseinsbildung in für sie passendere Umfelder bewegt haben. Für den einzelnen Menschen ist das ein sehr gesunder Prozess, der mit hoher Eigenverantwortung einhergeht.
Für das Unternehmen ist es eher schädlich. Kurzfristig, weil Expertise verloren geht und die Fluktuation steigt. Längerfristig werden Arbeitsbedingungen aufrecht erhalten, die Produktivität kosten. Personell gebundene Ressourcen wie Kreativität, Engagement und Lernbereitschaft können nicht frei gesetzt werden. Gut möglich, dass sich dies in erhöhten Krankenständen widerspiegelt.
Potenzial entfalten durch Biofeedback
In Zeiten von Transformation und Innovation sind Unternehmen auf Menschen angewiesen, die Arbeitsbedingungen verbessern helfen und sowohl ihr individuelles als auch das kollektive Potenzial der Organisation entfalten.
Menschen, die sich im Einklang mit Körper & Geist wahrnehmen, die eine Form der Bewusstseinsbildung betreiben und sich selbst durch anspruchsvolle Phasen steuern können, geben auf Basis des eigenen Biofeedbacks wertvolle Hinweise wo es „Sand im Getriebe hat“.
Arbeiten im System und am System
Unternehmen, die in diesem Bereich investieren, wissen, dass die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden eng mit der Arbeitsorganisation verbunden ist.

Wer resiliente Mitarbeiter haben will, braucht resiliente Arbeitsstrukturen. Angebote im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsföderung sind nur dann sinnvoll, wenn sie eng mit den entsprechenden Strukturen verknüpft sind. Das fängt bei flexiblen Arbeitsmodellen und einer entsprechenden Personaleinsatzplanung an, bezieht die Zusammenarbeit im Team ebenso ein wie Abläufe und Prozesse.
Deswegen achte ich in all meinen Projekten in Unternehmen darauf, dass all diese Bereiche miteinander verzahnt sind. Alles andere ist weder nachhaltig noch macht es Sinn.
Weiterlesen: In meinem BLOG „Adapt or die“ gehe ich auf die Bedeutung einer resilienten Belegschaft für die organisationale Resilienz ein.

