Mobile Work – Arbeiten jederzeit und überall

Was denken Sie: Ist Homeoffice ein Fluch oder doch ein Segen? Neben die zeitliche Flexibilisierung tritt nun auch die räumliche: der Ruf nach Homeoffice wird immer lauter. Womöglich wird künftig der Anspruch darauf schon bald gesetzlich verankert werden. 

Auf Seiten der Mitarbeiter resultiert der Wunsch nach Homeoffice aus dem Bedürfnis, Arbeits- und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können. Dabei ist die Rechnung ganz einfach: wer sich z.B. 2 x pro Woche einen einstündigen Arbeitsweg sparen kann, gewinnt einen halben Arbeitstag Zeit. Zeit, die für die wichtigen Beziehungen und persönlichen Interessen zur Verfügung steht, anstatt im Stau zu stehen oder in übervollen Pendlerzügen zu sitzen. Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, hat also in vielfacher Hinsicht eine entschleunigende Wirkung: sie entlastet nicht nur verstopfte Verkehrswege, sondern sie schafft auch flexible, frei gestaltbare Zeit und nimmt Anstrengung aus dem Alltag. 

Traum oder Albtraum?

Nun erleichtert uns das Arbeiten im Homeoffice, das Privatleben nach eigenem gusto zu organisieren. Dennoch ist es kein Allheilmittel. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie mit Zuhause arbeitenden Müttern deuten auf eine erhöhte Belastung aus Kinderbetreuung, Hausarbeit und Berufstätigkeit hin. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Homeoffice kein Mehr an Freizeit bietet und viel mehr zu Lasten sowohl von Müttern als auch von Vätern geht. Was sich zunächst einmal nach mehr Lebensqualität anhört, verkehrt sich in vielen Fällen sogar ins genaue Gegenteil.

Den Beschäftigten bietet Homeoffice die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Arbeit wohnortnah und zeitlich flexibel auszuüben. Damit aus dem Traum vom standortunabhängigen Arbeitsplatz kein Albtraum wird, sind einige Dinge zu beachten. Wer Zuhause produktiv arbeiten will, braucht dafür die Fähigkeit zu einer gesunden Selbststeuerung sowie Disziplin. Den wenigsten Menschen ist dies in die Wiege gelegt. Hinzu kommt die Notwendigkeit, das private Umfeld anzupassen, angefangen bei der Einrichtung eines Arbeitsplatzes bis hin zur Sensibilisierung der Angehörigen.

Das ist nicht jedermanns Sache. Ich kenne Personen, für deren Arbeitsqualität es unabdingbar ist, inmitten eines Teams zu sitzen. Sie werden durch das Büroumfeld,  ihren Arbeitsplatz und geregelte Arbeitszeiten strukturiert und diszipliniert. Manch einer braucht auch klare Aufgabenstellungen, um ins Tun zu kommen. Diesen Menschen würde ich immer vom Homeoffice abraten. Nicht nur, weil wahrscheinlich ihre Arbeit darunter leidet, sondern auch, weil sie gegen ihre eigenen Neigungen an arbeiten müssten, was immer mit Anstrengung einhergeht und zusätzlichen Stress erzeugt. 

Tausche Präsenzkultur gegen Vertrauen

Doch auch dort, wo Homeoffice grundsätzlich denkbar wäre, reicht erfahrungsgemäß eine gut formulierte Betriebsvereinbarung nicht aus, um die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens mit Leben zu füllen. Denn in vielen Unternehmen herrscht immer noch eine Präsenzkultur, häufig gepaart mit einem gewissen Kontrollbedürfnis seitens der Führungskräfte, aber auch von Kollegen. Die Annahme, dass Heimarbeiter weniger engagiert seien und Leistung zurückhalten könnten, ist sehr verbreitet.

Hinter der Verlagerung des Arbeitsplatzes nach Hause steht letztlich die berechtigte Erwartung des Arbeitgebers, dass dort das vereinbarte Leistungspensum erledigt wird. Für die Unternehmen, für Führungskräfte und Teams, bedeutet mobiles Arbeiten einen erhöhten Abstimmungsaufwand, neue Formen der Arbeitsorganisation und ein anderes Führungsverhalten. Davor scheuen viele Entscheider zurück: sie stehen der Einführung von Homeoffice tendenziell skeptisch bis eindeutig ablehnend gegenüber. Die Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens merkt im Interview an:

„Natürlich bringt diese Freiheit aber auch Herausforderungen mit sich – vor allem für unsere Führungskräfte. Teams virtuell führen, Arbeitslasten gleichmäßig verteilen und Anwesenheiten steuern, damit nicht alle an Montagen oder Freitagen Homeoffice machen, das sind Aufgaben, die man heute managen muss. Anders als früher. …Ich bin fest überzeugt, dass das menschliche Miteinander, das Teamwork, der direkte Austausch wichtig sind. Ich bin ein Fan von Homeoffice, aber in Maßen.“

Ich bin ein Fan von Homeoffice – in Maßen
Die Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens im Interview über die moderne Arbeitswelt und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für Führungskräfte.
Frankfurter Allgemeine Online, Nadine Bös und Ulrich Friese, 14.03.2019

Diese Einstellungen lassen sich nicht per Gesetz oder durch top-down-Anordnung beeinflussen. Es geht um eine veränderte Arbeitskultur und ein neues Selbstverständnis. Dies ist im Rahmen der Einführung moderner Arbeitskonzepte zu thematisieren. Spezielle Workshops unterstützen Führungskräfte und Teams dabei, miteinander den jeweils passenden organisatorischen Rahmen zu schaffen und neue Kommunikationswege zu etablieren. Nur so lässt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sicherstellen.

Aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen bin ich dafür, das Recht auf Homeoffice nicht zu generalisieren. Wer allein auf lange Fahrwege schaut oder das Bedürfnis nach erhöhter zeitlicher Flexibilität generalisiert, springt zu kurz. Vielmehr gilt es im beruflichen Umfeld differenziert hinzuschauen, für welche Teams, Personen und Aufgabenstellungen mobiles Arbeiten tatsächlich sinnvoll in Frage kommt.

So geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung von 60 Prozent der Beschäftigten aus, für die Heimarbeit aufgrund ihrer Tätigkeiten ohnehin keine Option ist.

Homeoffice ist nicht das Paradies
Süddeutsche Zeitung, Kommentar von Henrike Roßbach, 5. März 2019

Diese Fragen stellen sich im Übrigen auch für all jene, die als Selbständige oder Unternehmer arbeiten. Auch wenn der Gedanke des Standortunabhängigen Arbeitens verlockend ist – und Ihnen dies zudem Zeitaufwand, Fahrtkosten, Büromiete und andere Ressourcen spart – empfehle ich Ihnen zu überprüfen, ob diese Lösung tatsächlich die Beste für Sie und Ihr Unternehmen ist. Denn im Zweifel gilt es für alle Beteiligten, lang praktizierte und lieb gewonnene Gewohnheiten zu verändern. Wenn Sie schon einmal versucht haben, beispielsweise Ihr Essverhalten zu verändern oder sich das Rauchen abzugewöhnen, wissen Sie, dass dies leichter gesagt als getan ist.

Ich weiß, wovon ich rede. Vor rund 8 Jahren bin ich nach der Auflösung einer Geschäftspartnerschaft unversehens im Homeoffice gelandet. Zuvor hatte ich über viele Jahre aushäusig in Bürostrukturen gearbeitet. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass es mich in den ersten Monaten recht viel Mühe gekostet hat, zu einem Arbeitsrhythmus zu finden und mich nicht durch das private Umfeld ablenken zu lassen. Anfangs hatte ich das Gefühl, nicht nur den Überblick über die anstehende Arbeit, sondern auch mich selbst zu verlieren. Im Lauf der Zeit schlugen die Vorteile durch: kurze Wege an den Schreibtisch, mehr Effizienz durch weniger Störungen im Arbeitsablauf, Arbeitszeiten, die meinen persönlichem Bio- und Lebensrhythmus entsprechen und damit Kraftschonender sind. 

Heute weiß ich, wie es richtig geht. Mein Knowhow aus der Einführung moderner Arbeitskonzepte in das betriebliche Umfeld spiegelt sich in meinem Beratungsansatz wider. Sind Sie interessiert? Dann nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf!

Weiterlesen:

Mein Buch © SLOW WORK | SLOW LIFE – ENTSCHLEUNIGT UND GELASSENER LEBEN

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